1. „Komm´ nach Dubai“
Wir traten aus dem Fahrstuhl und gingen zu seinem Apartment. Er steckte den Schlüssel ins Türschloß, hielt einen Moment inne und sagte, „Du bist jetzt in Dubai. In Dubai darf ein Mann mit einer Frau machen, was er will, wenn sie seine Wohnung betritt und er die Türe hinter ihr schließt“.
Ich war etwas verwirrt, was er meinte und er wiederholte den Satz. Hinter mir lag gerade der Flug von München nach Dubai. Die Aufregung machte mich müde und ich hatte keine Ahnung, was mich in diesem fremden Land erwartet.
Als ich in Dubai ankam und in Jeans und Pulli die Emirates-Maschine verließ, war es unvorstellbar heiß. Wie das Glühen eines Kaminfeuers, brannte sich die Hitze in mein Gesicht. Meine Kleidung klebte sofort auf meiner Haut.
Es war der 9. September 2007 und die Luftfeuchtigkeit war mir derart unbekannt und hoch. Zwischen Neugierde und Aufregung, überkam mich dennoch eine undefinierbare Angst, was mich ab nun in diesem Land erwartet.
Als ich durch die Paßkontrolle in die große Halle kam, standen viele Menschen da, die Ihre Familienangehörigen, Freunde und Geschäftsreisenden vom Flughafen abholten. Mein Blick flog über die vielen Gesichter und ich suchte ihn. Ihn, der mich über meine Webseite anschrieb, er hätte meine Bilder im Internet gesehen und ich wäre eine großartige Künstlerin. Ich solle zu ihm nach Dubai kommen. Er sei Kunstagent, hätte meine Kunstwerke gesehen und mache mich reich und berühmt.
„Come to Dubai. You are a great Artist. I make you rich and famous!” Da sah ich ihn endlich. Er war groß, blond mit blauen Augen, gebürtiger Holländer und lebte seit 20 Jahren in Dubai. Sein Name war Arik. Er sprach ein wenig deutsch und ich hatte nur noch mein Schul-Englisch in Erinnerung und war froh, dass wir uns einigermaßen verständigen konnten. Seine Wohnung war ein Erstbezug in einem Tower. Er hatte sie für uns angemietet und als ich in dem großen Wohnzimmer aus dem Fenster sah, war da nur Wüste und vereinzelt Häuser und viele Baustellen mit riesigen Kränen. Ansonsten nur Berge von Sand, die von Schaufelradbaggern verschoben wurden.
Es war der 9. September 2007.
Die Wohnung wirkte riesig, hatte aber nur Wohnzimmer und Schlafzimmer und eine offene Küche. Mir fiel der überdimensional große Kühlschrank auf. So einen kannte ich nicht.
Ansonsten war alles sehr schick und ich versuchte mein Temperament einzusetzen und cool zu wirken.
„Hier wohnen wir jetzt zusammen? Wo soll ich malen und wo schlafe ich?“ Es gab nur ein riesiges Bett.
Er sagte, „Du schläfst im Bett und er auf einer Luftmatratze auf dem Boden. Maltisch und Utensilien kaufen wir zusammen.“ und er baue das alles dann ins Wohnzimmer. Tagsüber geht er in seine Firma, währenddessen kann ich arbeiten und abends unternehmen wir etwas zusammen und er zeige mir Dubai.
Na, wenn er meint, wird er wohl wissen, was er tut und vielleicht sind die Mieten hier so teuer, dass er kein weiteres Zimmer für mich anmieten konnte, dachte ich mir.
Ich kam mit 500 Euro nach Dubai. Die nahm er mir ab für unsere Haushaltskasse und meinen Reisepaß gleich mit, denn er müsse mich in der Wohnung beim Government anmelden. Jeder, der Dubai ein wenig kennt, schlägt jetzt schon die Hände über seinem Kopf zusammen und ruft laut: „Nein! Gehe da weg, Eleonore! Du bist in Gefahr. Er darf Deinen Paß nicht einkassieren.“
Doch ich wußte das damals nicht. Er ging frühmorgens zur Arbeit und schloß mich die erste Woche im Apartment ein. Ich kenne mich in diesem Distrikt nicht aus und es wäre besser, ich ginge nur mit ihm raus und lerne so die Orientierung.
7. „Anhalten oder Einparken?“
Mein glücklich verdientes Geld machte mich unabhängiger und nachdem ich mir Kleider und Bling-Bling-Schuhe gekauft hatte, kam mein erstes Date mit einem Ägypter. Er war General Manager in einem Hotel und wie es bei mir anfangs noch war, mußte er deutsch sprechen. So hatte ich Glück, er hatte zwei Jahre in Baden-Baden in die deutsche Hotellerie reingeschnuppert. Ich erinnere mich gar nicht mehr, wohin er mich an diesem Abend ausführte.
Es war irgendeine Touristen Bar. Nichts, was meine Sinne in der geringsten Form reagieren ließ.
Diese Tourismus-Attraktionen, Restaurants und Bars waren laut, verschwitzt und billig genug, um eine Frau abzuschleppen.
Die Mädchen kamen in Rudeln. Man hatte höchstens den Passport, Schlüssel, Zigaretten und das Taxi Geld für die Heimfahrt einstecken. Mehr brauchten sie nicht. Kaum hatten sie ihren Drink an der Bar bestellt, winkten alle Männer am Tresen mit Geldscheinen in der Hand und die Mädchen hatten nur auszusuchen, welcher Mann dem Traummann am ehesten war und er durfte den Drink zahlen.
Er war der Glückliche, der den Abend lang das Mädchen aushalten durfte und eventuell auch mehr… Schöne Europäerinnen. Bevorzugt blonde Haare. Aufgedonnert, in eine unbekannte Welt gebeamt, mit der sie nicht umgehen konnten. Denn wer hätte Ihnen vorhergesagt, dass diese Partywelt und der zur Schau gestellte Luxus, nur ein Mittel ist, diese blind zu machen und einzufangen. Die Mädchen waren der feuchte Traum eines jeden Arabers, der zuhause Frau und Kinder hatte. Wir sprechen von Sex. Wilden, hemmungslosen Sex.
Zu diesem eine angeheiratete, über Familienbanden arrangierte Ehefrau nicht fähig war. Diese Emotionen wurden bei den Frauen schon in der Familie nicht weitergegeben. Sie waren gut abgesicherte „Konkubinen“, die unter der Abaya besamt wurden, um möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen. Den Sex holten sich die Männer seit Generationen bei Huren. Es war eh nur ein Moment und hatte nichts mit Gefühlen zu tun. Nun hatte der Zeitgeist Dubai den Tourismus geschenkt und der arabische Mann fand ein neues Spielzeug und frisches solides und unbeflecktes weißes Fleisch. Mein Ägypter grinste breit, saß mir mit gespreizten Beinen in Jeans gegenüber, wo er sich hin und wieder schon zwischen die Beine faßte und da etwas wieder zurecht schob. Nach zwei Glas Wein kam er zur Sache. „Wollen wir los?“ Ich antwortete, „Ja bitte!“ Wir gingen zum Wagen und fuhren in die Jumeirah Road. Er fuhr bis zur Villa, hielt neben den Parktaschen an und fragte mich „Stop or park?“ Ich verstand die Frage nicht. „Anhalten oder Einparken?“ Natürlich anhalten. Ich steige aus! Danke für den Abend und Tschüs.
Im Laufe der Zeit lernte ich diesen Begriff „Stop or Park“ zu verstehen. Die meisten Expats die schon länger in Dubai lebten, trauten mir keine Urteilsbildung über die Stadt, die Menschen, das Leben da und die Kultur zu. Es war ein gängiger Slogan, der sich von Expat-Generation zu Expat-Generation übertrug: „Du bist doch nicht einmal zwei Jahre in Dubai“
Die Leute kommen und gehen hier und dann meinen sie, etwas über Dubai zu wissen. Wissen über dieses Land, kann man erst etwas, wenn man mindestens zwei Jahre hier gelebt hat. Ich war inzwischen drei Monate da und mein Status war noch lange „Anhalten“.
Der Ägypter schickte mir noch zwei, drei Mal die gleiche SMS mit folgendem Text: „Ficken, wie die Tiere. Ab in die Wüste!“
Verstand ich nicht. Noch kam ich aus gutem deutschem Elternhause und bestand aus Vorurteilen und einem seriösen Denken, dass ich vermeinte, die ganze Welt denkt gleich. Ich wollte es auch nicht verstehen. Wahrscheinlich war er sauer, dass ich ihn nicht mit hochgenommen hatte...
